Die Kompetenzen des Teams stets im Blick

Patrick Walter, Stationsleiter in der LWL-Universitätsklinik Hamm

Mit dem Projekt Kompetenzbasiertes Bildungsmanagement (KBBM) des LWL PsychiatrieVerbundes wurde im Sommer 2016 in der kinder- und jugendpsychiatrischen Universitätsklinik des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Hamm gestartet. Die vier Buchstaben KBBM stehen letzendlich für die Bündelung einheitlicher und passgenauer Bildungsangebote. Mit diesem Projekt möchte man Kompetenzlücken im Team schneller erkennen, um zielgerichtete Qualifizierungsmaßnahmen einzuleiten.

Zu Beginn der Einführung vor rund einem Jahr hat jede Mitarbeiterin, jeder Mitarbeiter seine Kompetenzen mithilfe einer Einschätzungsskala erfasst und anschließend in einem persönlichen Gespräch mit dem Vorgesetzten reflektiert. „Hier zeigten sich teilweise schon einige Unterschiede in der Selbst- und Fremdwahrnehmung. Manche Mitarbeiter waren sich bestimmter Fähigkeiten gar nicht bewusst, die sie in ihrem beruflichen Alltag ganz selbstverständlich eingesetzt haben“, berichtet Patrick Walter, Stationsleiter in der LWL-Universitätsklinik Hamm von seinen Erfahrungen während der Einführungsphase des KBBM.

Über welche Kompetenzen die Mitarbeiter des LWL-PsychiatrieVerbundes verfügen sollten, ist in den sogenannten Qualifizierungsprofilen für die unterschiedlichen Berufsgruppen wie Therapeuten, Pflegerinnen und Ärzte festgelegt, die dann noch stationsbezogen ausgewählt werden. In der teamorientierten Qualifizierungsbedarfsanalyse (QBA 2.0) wurden die Kompetenzen der Beschäftigten mithilfe eines Excel-Programms dargestellt. Bei jeder vorhandenen Kompetenz, die benötigt wird, leuchtet nach Eingabe ein grünes Licht auf. Rot hingegen gibt es dort, wo noch benötigte Kompetenzen im Team fehlen. Mit dem Ampelsystem werden Qualifizierungsbedarfe sofort sichtbar und es ist klar beziehungsweise es muss beraten werden, wie nachgesteuert werden muss.

Jede Personalveränderung im Team hat Auswirkungen auf die zur Verfügung stehenden  Kompetenzen. Ein bevorstehender Wechsel von Mitarbeitern, Inanspruchnahme der Elternzeit aber auch ein Generationenwechsel  und damit ein Wegfall an Kompetenzen lasse sich so besser im Blick behalten und kann entsprechend gegengesteuert werden, beispielsweise durch zielgerichtete Schulungen.

Differenziertes Angebote fördern die Kompetenzen

 „Wir haben ein vielfältiges Weiterbildungsangebot beim LWL. Für uns heißt es jedoch, aus diesem umfangreichen Angebot, die passgenauen Schulungen  für unsere Mitarbeiter heraus zu picken“, erklärt Walter. „Durch das KBBM-Projekt haben wir ein Instrument an die Hand bekommen, das uns genau zeigt wo Qualifizierungsbedarf besteht und in welche Richtung wir unser Team schulen müssen.“

Das Erfassen von Wissen und Kompetenzen stieß zu Beginn auf Ablehnung, da die Mitarbeiter befürchteten, absolut durchschaubar und messbar zu sein. Doch mittlerweile überwiegt das Positive an der Bedarfsanalyse. „Mit diesem Instrument und durch intensive Mitarbeitergespräche ist auch die Motivation der Mitarbeiter gestiegen. Jeder weiß, welche Stärken und Kompetenzen er hat und das schafft ein positives Selbstbewusstsein“, kann Patrick Walter belegen.

Patienten profitieren

Von motivierten Mitarbeitern und spezialisierten Teams können letztendlich die Patienten profitieren. „Sehr beliebt bei unseren Patienten im Suchtbereich ist die Ohr-Akkupunktur. Gerade in diesem Bereich sind viele Mitarbeiter geschult, damit wir bei Bedarf eine Behandlung rund um die Uhr anbieten können“, berichtet Walter.

Doch es gibt auch noch Verbesserungspotential an KBBM und insbesondere dem zugrunde liegenden EDV-Programm. „Die Nutzung des Tabellenkalkulationsprogramms MS-Excel zur Erfassung der Kompetenzen ist teilweise sehr unübersichtlich. Man benötigt schon einen großen Bildschirm, um alle Inhalte deutlich lesen zu können. Ein benutzerfreundliches Programm wäre mit Sicherheit sehr hilfreich“, so Patrick Walter.